Yoga

„Yoga ist etwas für praktische Menschen mit praktischen Problemen“ 

B.K.S. Iyengar                                              
      

          Auf dem knappen Quadratmeter der einfachen Yogamatte und in gerade mal 90 Minuten versammeln wir alles, was überhaupt von Bedeutung ist. Eine Yogastunde ist dann gelungen, wenn wir komplett in dem einen Moment angekommen sind, der alles ist. Es gelingt uns dann, alle anderen Themen genau dort zu belassen, wo sie hingehören: außerhalb dieser Praxisstunde.

          Yoga macht die Sache deshalb einfach, weil es den Körper als Brücke zu unserem Geist einsetzt. Das Verbindungsglied ist der Atem. Die Stunde beginnt deshalb immer mit der Fokussierung auf den Atem. Dann nehmen wir einfache Bewegungen hinzu, und diese werden allmählich immer komplexer. Es folgt das klassische Sonnengebet, in der Variante I oder II, je nach Anspruch der Teilnehmer. Der Hauptteil der Stunde ist dem Üben der Asanas gewidmet. Die Leitlinie ist dabei die Ashtanga Primary Series, eines der bedeutsamsten Systeme des Yoga überhaupt. Sie verbindet alle wichtigen Yoga-Haltungen zu einer harmonischen Übungsreihe. Wir folgen ihr in jeweils unterschiedlicher Auswahl, aber immer in der gleichen Reihenfolge. Und immer kommen wir dahin zurück, dies mit Bewusstheit auszuführen. Zusammengefasst sind die wesentlichen Merkmale dieser Stunden im Ashtanga-Stil kraftvolle Positionen, fließende Bewegungen und enge Synchronisierung mit dem Atem.

          Das Üben der Asanas lässt uns in zwei Richtungen blicken, die sich direkt gegenüberstehen, mit dem Körper im Mittelpunkt: Die eine Richtung führt über den Atem in die Unendlichkeit. Sie verbindet uns mit der Seele, mit den Geist des Universums, mit Spiritualität oder wie immer Sie das auch nennen mögen. Die andere Richtung führt geradewegs in die Lebenspraxis hinein, in das konkrete, wirksame Handeln des Alltags. Der Körper ist der Ausgungspunkt für unsere Explorationen in beide Richtungen. Seine "Haltung" ist es, die sowohl nach innen wirkt als Zentriertheit, wie nach außen wirkt, in die praktischen Anforderungen unseres scheinbar komplizierten Lebens.
 

„To see a world in a grain of sand
And a heaven in a wild flower
Hold infinity in the palm of your hand
And eternity in an hour “

                William Blake, Auguries of Innocence